14. Februar 2008

“Abel Raises Cain”

So heißt ein im Jahr 2005 erschienener Dokumentarfilm über das Leben von Alan Abel, einen mir bisher unbekannten aber anscheinend doch berühmten US-amerikanischen Medienkünstler und Comedian, der seit den 1950ern immer wieder für Schlagzeilen in seinem Heimatland sorgte. Mit seinen Aktionen zeigte er (und zeigt vielleicht auch weiterhin) vor allem, wie leicht sich Konsumenten, aber auch die Medien durch selbsternannte Experten, aufgesetzte Gruppierungen, vorgebliche Insider und Fachmänner oder sonstige Meinungsbildner beeinflussen lassen, ohne sie kritisch zu hinterfragen.

Besondere Aufmerksamkeit bekam Abel unter anderem für seine 1959 ins Leben gerufene, satirische Society for Indecency to Naked Animals, die sich dafür einsetzte, “nackte Tiere” (sowohl Haustiere, als auch in der Wildnis lebende Tiere) aus der Öffentlichkeit zu verbannen und ihnen eine Kleidungspflicht aufzuerlegen, denn, so einer der Slogans, “a nude horse is a rude horse.” Selbst nachdem bekannt wurde, dass die ganze Bewegung aufgesetzt war, bekannten sich noch immer Sympathisanten zu den offensichtlich nicht ernst gemeinten Idealen und versuchten, gegen Hundebesitzer vorzugehen, die ihre unbekleideten Hunde ausführten.

From Here To Awesome Logo

Die Dokumentation, für die sich niemand anderes als Alan Abels Tochter Jenny Abel verantwortlich zeichnet, steht nun zur Auswahl für das Filmfestival From Here To Awesome. Dieses Festival erprobt neue Möglichkeiten zur Entdeckung, Promotion und Verbreitung von Independant-Filmen: Jeder Filmemacher kann seine Produktion ohne Gebühren im Internet anmelden; das (Internet-) Publikum entscheidet anschließend mit Hilfe der bekannten Web-2.0-Plattformen YouTube und MySpace, welche Filme in das Festivalprogramm aufgenommen und so einer breiten Öffentlichkeit präsentiert werden sollen. Diese enge Verzahnung von Publikum und Produzent über freie, im Internet verfügbare Mittel funktioniert nur aufgrund der aktuellen Trends des Social Networking, die offenbar immer mehr den Weg auch in konservativere Medienformen finden.

Vielleicht bringt uns diese Verzahnung, wenn sie sich irgendwann einmal auch im Fernsehen durchgesetzt hat, endlich die Erlösung von enervierenden TV-Formaten, die angeblich ja von niemandem geguckt werden, aber doch enorme Einschaltquoten erreichen (ob dabei die Sendungen tatsächlich angesehen werden, oder nur gemutet nebenbei laufen, während der “Zuschauer” gerade Kant liest, lässt sich natürlich nicht feststellen). Vielleicht bringt es uns aber auch gerade mehr von dem Scheiß. Vielleicht steckt aber auch Abel selbst hinter dem Ganzen, mit einem höheren Masterplan im Kopf, und lacht sich ins Fäustchen.

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