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I’m Waiting For The Man

Thu, 29 Nov 2007 17:00:54 +0100

“Hear the trumpets, hear the pipers. One hundred million angels singin’. Multitudes are marching to the big kettle drum. Voices callin’, voices cryin’. Some are born an’ some are dyin’.”

In diesem Lied wimmelt ja nur so von Andeutungen auf Drogenentzug (u.a. oben zitierte Stelle), Beschaffungsnot (”The virgins are all trimming their wicks.”), den nie endenden Kreislauf der Sucht (”Whoever is filthy, let him be filthy still”, “Till Armageddon, no Shalam, no Shalom.”), die körperliche Abhängigkeit (”For you partake of that last offered cup, Or disappear into the potter’s ground.”) — Johnny Cashs The Man Comes Around könnte glatt aus der Feder von Burroughs selbst stammen. Was gibt es Treffenderes für die Beschreibung des Zustandes der Welt eines Drogensüchtigen auf der Suche nach Stoff als die apokalyptischen Visionen? The ManDer Mann –, eine stark anonymisierte und doch erschreckend direkte Bezeichnung des Dealers, der allein durch seine Zuhandenheit (au weia, jetzt kommt auch noch existenzialistische Mundart ins Spiel…) Unheil über seine Opfer bringt und ihnen die letzten Züge menschlicher Existenz nimmt. When the Man comes around: Insektendasein. Nichts will Cash verschweigen, selbst die obszönsten Szenarien werden angedacht. Ist die tiefe Religiosität, die ihm zugeschrieben wird, nur ein Mythos, der sich mangels interpretatorischen Einfallsreichtums in der Hörerschaft und unter Kritikern festgesetzt hat? Vermutlich nicht.

Wie schon hier anhand von Peter, Paul & Marys bekannter “Drogen-Hymne” Puff, the Magic Dragon gezeigt wurde, lässt sich eigentlich jeder Nicht-Sachtext (im Übrigen trifft das auch auf Bilder, Filme, Musik, etc. zu) als Symbol für fast jedes Thema auffassen. Benötigt wird lediglich ein Verstand, ein bisschen Intuition und vielleicht eine Prise Kreativität und schon ergeben sich komplexe Deutungszusammenhänge, gegen die kaum ein Kraut gewachsen ist. (Was haben eigentlich die Krauts damit zu tun?) Gerade diese abgespaceten Interpretationen sind für die Menschen jedoch notwendig, denn in ihnen wird die Sprache, oder welcher Informationsträger auch immer gerade betrachtet wird, eben nicht mehr nur als nüchternes Mittel zu einem prädestinierten Zweck angesehen, sondern behält in ihrer Vielfältigkeit den spielerischen Charakter, den der Mensch nach und nach aufzugeben scheint machen besonders Spaß.

So kommt man dann vielleicht irgendwann für sich privat zu dem Schluss, I’m Waiting For The Man von The Velvet Underground sei ein Loblied auf das paradiesische Dasein nach dem jüngsten Gericht, das frommen Christen beschert ist.

Die nun aufkommende Frage, who cares?, vermag ich allerdings nicht zu beantworten.

Posted in Chaos, Culture

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