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Random Access Music

Sun, 02 Dec 2007 19:50:10 +0100

Gerade eben bin ich über eine sehr interessante Musik-Installation aus dern 60ern gestolpert: Nam June Paiks Random Access Music. Paik hatte Tonbänder kreuz und quer auf einer Wand verteilt und ermöglichte es so dem Besucher, interaktiv mit einem modifizierten Tonabnehmer über die an der Wand montierten Bänder zu fahren und so eigene Interpretationen des Rohmaterials zu schaffen.

Wie kann man aber digitale “Random Access Music” spielen? Dem geneigten Leser ist vielleicht aufgefallen, dass das Begriffspaar “Random Access” auch im Computerbereich eine große Rolle spielt: Der Arbeitsspeicher, Random Access Memory, ist eine der zentralen Komponenten jedes Rechners — wieso sollte man ihn nicht nutzen, um Musik zu machen? Gesagt, getan:

# cat /dev/mem > /dev/dsp

Ok, das Resultat ist immerhin interessanter als das oft zu Testzwecken genutzte

$ cat /dev/urandom > /dev/dsp

denn statt Rauschen bekommt man, neben einiger Stille, tatsächlich den ein oder anderen Ton zu hören. Aber es geht noch besser: Die moderne Technik erlaubt es uns, Information zweckentfremdet in einer anderen Form (sogar über einen anderen Sinnesreiz) wahrzunehmen. Ein Bild macht man zum Musikstück, aus einem Videoclip zieht man einen Text heraus, aus einem Text generiert man ein Bild. Man nehme sich zum Beispiel den 54 Byte langen Header einer Windows-Bitmap-Datei (ichhabedaschonmalwasvorbereitet, Bildgröße 200×200 Pixel, 24 Bit Farbtiefe), und hänge an diesen einen ausreichend langen Text (zum Beispiel RFC 2616) und schaue sich das Ergebnis (Bitmap hier) an:

RFC Image

Der Fantasie sind kaum Grenzen gesetzt! Aus Random Access Music wird Random Access Information. Aber Vorsicht: Bei aufgedrehten Lautsprechern kann der Nachbar eventuell sensible Daten, wie zum Beispiel das noch im Arbeitsspeicher liegende Root-Passwort, erhorchen.

Viel Spaß beim Experimentieren!

Posted in Culture, Hacking

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